DAS PROJEKT “FOÇA - MARSEILLE“,
VON EINER KÜSTE DES MITTELMEERS ZUR ANDEREN

Das Gebiet um Foça, das wir als eines der Gebiete kennen, wo die vom Aussterben bedrohten Mittelmeer-Robben einen ihrer letzten Lebensräume haben, war im 9. Jahrhundert v. Chr. als eine der ionischen Städte unter dem Namen “Phokaia” bekannt. Die Phokaianer waren berühmt für ihre Seefahrt und ihren Seehandel, vor allem auf dem Mittelmeer. Das Volk von Phokaia, das vor der persischen Invasion im 6. Jahrhundert v. Chr. flüchtete, wählte nach einer schwierigen Reise über das Mittelmeer das Gebiet der Stadt Marseille zu ihrer neuen Heimat.

Sie hatten Mandelbaumsetzlinge, Pflänzlinge von Weinreben und Stallvieh auf die Reise mitgenommen und brachten so auch ihre Kultur mit. Der Hahn, das Symbol für Harmonie und frühes Erwachen, befand sich am Bug der Schiffe und ist das Symbol von Frankreich geworden, ist aber nicht der einzige Beweis für die kulturelle Beeinflussung. Am Eingang von Marseilles altem Hafen befindet sich eine Inschrift, die besagt, dass diese Stadt 600 v. Chr. von den Seeleuten aus Phokaia gegründet wurde.

Die 360° Forschungsgruppe untersucht die Route dieser vor 2600 Jahren stattgefundenen Reise, die Gründe dieser Route und alle geschichtlichen und materiellen Gründe für diese Reise.

Die Gemeinsamkeiten dieser beiden Kulturen und die Ergebnisse werden im Rahmen dieses Projektes ausgewertet. Der bei den Seeleuten berühmt gewordene, von den Phokaianern verwendete Schiffstyp wird rekonstruiert und die 2600 Jahre alte Reise von Phokaia nach Marseille wird wiederholt. Die 360° Forschungsgruppe wird dieses Boot rekonstruieren und die vor 2600 Jahre stattgefundene Reise von Foça nach Marseille realisieren.
Das Schiff wird (wie 600 v. Chr.) Wein, Weinrebenpflänzlinge, Olivenbaumsetzlinge etc. von Foça nach Marseille mitnehmen.

Das Ziel dieser Reise ist es, an die Geschichte der beiden Städte Foça und Marseille zu erinnern und die Völker des westlichen und östlichen Mittelmeers einander näher zu bringen. Deshalb werden in Marseille und in Foça, am Anfang und Ende der Reise, Konzerte organisiert werden, an denen Künstler und Künstlerinnen aller Mittelmeerländer teilnehmen werden.

Die Ausgangspunkte dieses Projektes sind:

•  Das Mittelmeer ist das kulturelle Zentrum der Menschheitsgeschichte.

•  Im Widerstreit zu den Geologen wird das Mittelmeer von den Historikern als „6. Kontinent“ bezeichnet.

•  Diese Auswanderungsbewegung ist grundlegend für den Kulturaustausch verantwortlich.

•  Die Geschichtsdaten liegen vollständig vor.

Der ausgewählte Schiffstyp und die Route

  Der ausgewählte Schiffstyp: Der für das Projekt ausgewählte Schiffstyp ist der der Handelsschiffe, von denen angenommen wird, das sie als Hauptschiffe verwendet wurden. Diese haben durch ihren gewölbten geräumigen Frachtraum eine hohe Transportkapazität und wir können uns ihre Form nach den iknographischen Daten vorstellen.

Die bei der gleichen Auswanderung vermutlich verwendeten “Pentokontoros” waren Kriegsschiffe und konnten auf lange Strecken keine Fracht und Passagiere befördern. Aus diesem Grund waren sie für unser Projekt nicht geeignet.

Wir haben uns daher für den oben beschriebenen Typ entschieden und planen zwei Schiffe dieses Typs zu bauen, wobei eines als Nachrichtenschiff dienen wird.

•  Route: Bei diesem Projekt, das das gesamte Mittelmeer einschließen soll, sollen die Häfen angefahren werden, in denen die Auswanderungskolonnen besonders stark vertreten waren (wie Adera, Marseille, Aleria). Dieses Programm mit Kreuz- und Quer-Routen im Mittelmeer bis zum Ozean wird während des ganzen Projektverlaufs durchgeführt werden.

Informationen über die technischen Einzelheiten des Projektes, sei es die Entwicklung der internationalen Beziehungen, seien es Änderungen durch jahreseitlich bedingte Einflüsse auf die Reise, werden je nach Entwicklung gegeben. Auf den Routen sollen die geographischen Unterschiede beobachtet werden und die Ergebnisse alle Gebiete einschließen.

Zweck und Ziele des Projekts

•  Diese Schiffe, die vor 2600 Jahren bei den Auswanderungsreisen verwendet wurden, sind nie zuvor durch irgendeine wissenschaftliche Gesellschaft unter diesen Gesichtspunkten untersucht worden. Bei einer Rekonstruktion wurde nie an einen Einsatz auf See gedacht. Die 360° Forschungsgruppe wird diese Schiffe mit beratender Unterstützung von Universitäten bzgl. Informationen zu diesem Thema rekonstruieren.

•  Die Verbreitung der auf dieser beschriebenen kulturellen Auswanderung von den Kolonien transportierten Wein und Pflanzen wie Weinrebenpflänzlinge und Olivenbaumsetzlinge im ganzen Mittelmeerraum und der Einfluss auf Kultur- und Handelsbeziehungen wird ein Untersuchungsthema sein.

•  Aus der Annahme, dass der Beweis für die einzige lebendige Gemeinsamkeit der Völker des 6. Kontinents die Musik ist, entwickelte sich eines der Grundziele des Projektes, nämlich eine Konzertreihe, die diese Thematik beinhaltet.

So solle es aus diesem Grund in Frankreich (Marseille) oder in der Türkei (Foça) eine Reihe von Musikkonzerten geben, die auf breiter ethnischer Grundlage stehen und die von Philharmonieorchestern begleitet werden.

•  Es soll ein “internationales Dokumentarfilm-Festival” zu den Themen Geschichte und Meer in Foça und Marseille stattfinden. Dieses wird bei Antritt der Reise in Foça stattfinden und mit den gleichen Filmen am Ende der Reise in Marseille wiederholt.

•  Es soll ein Dokumentarfilm gedreht werden, der die ganze Reise dokumentiert.

•  Die Ergebnisse, die bei diesem nach experimentell archäologischen Regeln durchgeführten Projekts erzielt werden, werden auf einem internationalen Symposium präsentiert werden.

•  Bis zum Ende der Projektvorbereitungsphase werden die gewonnenen wissenschaftlichen Ergebnisse und das Projekttagebuch in Form einer Sendung vorbereitet.