UNTERSUCHUNGEN
UNTERSUCHUNGEN ÜBER DIE NAVIGATIONSTECHNIKEN DER ANTIKE UND FRÜHEREN ZEIT
 
Seit frühester Zeit kennen die Seeleute mehr oder weniger die Grundlagen der Navigation, die aus der Untersuchung der Bewegung der Himmelkörper und den Kenntnissen zur Entfernungsberechung bestehen. Die 360° Forschungsgruppe wird die alten Beobachtungsgeräte nachbauen und auf ihrer Reise anwenden, sie mit den heute verwendeten Geräten vergleichen und diese Untersuchungen in eine wissenschaftliche Form bringen.

Zu jeder Zeit der Menschheit waren die Kenntnisse über die Seefahrt und Navigation sehr wichtig und geheim. Diese Geheimhaltung verhinderte die Überlieferung von vielen Kenntnissen in der Navigation in unsere Zeit. Es ist selbst auf dem Mittelmeer für einen Kapitän nahezu unmöglich, ohne die Kenntnisse über Navigation und das offene Meer sicher zu fahren. Bei der Auswertung der antiken Routen kann man erkennen, dass die Routen und Häfen durch lange Seereisen erreicht worden waren.

Die schwierigen Wetterverhältnisse vor allem des östlichen Mittelmeers und der Ägäis erhöhen noch die Schwierigkeiten bei der Navigation.

Wir hoffen, dass wir die Fragen, die zu diesem Thema auftreten – und sei es nur zum Teil – beantworten können. Ein von Hafen zu Hafen fahrendes Handelsschiff konnte nicht ohne derartiges Wissen wie Kenntnisse des Weges, der Route, der Ladung und der Wetterverhältnisse navigieren. Aus diesem Grund waren zu dieser Zeit die Weitergabe von Informationen und die Gewohnheit Aufzeichnungen zu machen sehr wichtig. Jedoch hat die Geheimhaltung dieses Wissens die Überlieferung in unsere Zeit ernsthaft verhindert. Bis noch vor kurzer Zeit verbargen die Kapitäne von Kriegs- und Handelsschiffen die Karten und Logbücher in Bleikisten, damit sie niemandem in die Hände fallen.

Auch wenn die Reise an der Küste entlang ging, mussten aus vielen Gründen auch Nachtfahrten gemacht werden. Oft machten die Windverhältnisse, manchmal die Länge der Route, Nachtfahrten erforderlich. Die Notwendigkeit der Navigation in der Nacht machte es erforderlich, die Seeastronomie zu verstehen. Wie jedoch die Winkel der Himmelskörper bestimmt und als Referenz verwendet wurden, ist immer noch ein Forschungsthema. Wie diese Geräte zur Winkelmessung waren oder wie sie gewesen sein könnten, ist ebenfalls ein Thema unserer Untersuchungen.

Wir vermuten, dass bei der Navigation am Tag Entfernungsmessgeräte erfunden wurden, um die Küste zu erkunden und eine sichere Reise zu ermöglichen. Auch dies ist ein Thema unserer Untersuchungen.

• Unter Betrachtung all dieser Punkte ergab sich die Notwendigkeit von Skizzen und Zeichnungen. Dies war der Grund für das Entstehen primitiver Karten. (Die Verbreitung von Wissen durch Zeichnungen ist die älteste Tradition der Menschheit.)

• So wichtig wie die Himmelkörper für die Nachtfahrt waren, so wichtig war die Sonne für die Fahrt am Tag. Berücksichtigend, dass der Kompass noch unbekannt war, muss es ein Gerät zur Richtungsbestimmung mit Ausrichtung nach Osten gegeben haben. (Die Geschichte der Menschheit ist voll von Beispielen zur Richtungs- und Zeitbestimmung, die eine Ausrichtung nach der Sonne haben.)

• Die Notwendigkeit, dauernd die Zeit zu wissen, machte ein Gerät zur Zeitmessung erforderlich.

• Entgegen der These, dass die Schiffe der Antike entlang der Küste reisten, glauben wir auf Grund der oben aufgeführten Überlegungen, dass die Seereise auf offener See wichtiger war. Denn die Fahrt entlang der Küste ist sehr schwierig und gefährlich. Ein guter Seemann plant seine Route lieber über das offene Meer als eine Route zu nehmen, bei der er weiß, dass der Wind sehr schnell umschlagen kann, die Wellen hoch sein können und auf der es viele Untiefen geben kann. Jedoch auf dem offenen Meer ist das Gegenteil der Fall.

Die Untersuchungen wurden mit Beratung durch Professor Dr. Serdar Evren von der Ege-Universität, wissenschaftliche Fakultät Abteilung für Astronomie und Weltall-Wissenschaften und den Lehrern Selçuk Nas und Tevfik Aslan von der Dokuz-Eylül-Universität, Hochschule für Seeverwaltung und –management, durchgeführt.

Hier einige der bei diesem Projekt untersuchten und verwendeten Navigationsgeräte aus der Antike und früheren Zeit:
Kamal
Das ist eine Art Navigationsgerät, das von den Arabern im 9. Jahrhundert erfunden wurde, um auf offener See reisen zu können. Das Prinzip dieses Geräts beruht auf Kenntnissen von griechischen Wissenschaftlern und Seeleuten in der Spätzeit des römischen Reiches.

Kamal wurde 600 Jahre lang von den arabischen Seeleuten benutzt, um im Gebiet des Roten Meeres und des Indischen Ozeans die Entfernung zu den Himmelskörpern zu messen. Die einfachste Ausführung von Kemal ist ein viereckiges Holztäfelchen, auf dem in der Mitte ein dünner Faden befestigt ist, der in unterschiedlichen Abständen Knoten aufweist. Der Beobachter hielt mit einer Hand das Täfelchen und mit der anderen Hand benutzte er den Faden. Das Täfelchen wurde so in Augenhöhe gehalten, dass sein unterer Teil auf Linie mit dem Horizont war, sein oberer Teil an den ausgesuchten Himmelskörper stieß. Während der Faden auf Augenhöhe gehalten wurde, wurde das Täfelchen so gehalten, dass es genau den Zwischenraum zwischen dem Horizont und dem Himmelkörper abdeckte. Das Verhältnis zwischen der konstanten Länge des Täfelchens und der Länge des Fadens zwischen Augen und Täfelchen ergab das Messergebnis. Die Fadenlänge und die Knoten gaben das vertikale Winkelmaß in der Einheit isbâ (eine von den Arabern verwendete Maßeinheit, 1 isbâ = 360°/224 = 1° 37´) an. Je weniger Knoten umso größer war der Winkel.
Dieses System war zu dieser Zeit eine sehr nützliche Methode. In der Dunkelheit konnte der Beobachter die Knoten durch Abtasten zählen. Um nicht vom Schwanken des Schiffes beeinflusst zu werden und um eine richtige Messung durchführen zu können, hat der Beobachter diese Messung sitzend ausgeführt.

Kompassrose (Windrose)
Vor 3000 Jahren haben die Phönizier mit Hilfe von astronomischer Navigation Reisen entlang der Küsten des westlichen Mittelmeers und des nordwestlichen Atlantiks gemacht. Zweifellos haben Zivilisationen vor den Phöniziern die Sterne benutzt, um ihren Weg auf dem Meer zu finden. Für eine Fahrt mit Hilfe der astronomischen Navigation mussten verschiedene Sterne und der Polarstern bekannt sein. Die Zivilisationen der antiken Zeit verfügten über diese Kenntnisse.
In der ersten Zeit haben die Seeleute auf Grund ihrer begrenzten Kenntnisse ihre Reisen am Tag durchgeführt und sind für die Nacht vor Anker gegangen. Sie haben in erster Linie versucht, die Küstenlinie nicht aus den Augen zu verlieren um so an ihr Ziel zu gelangen. Als jedoch die Menschheit anfing, Kenntnisse über den Himmel zu erlangen, endete ihre Abhängigkeit von der Küste und die Seeleute konnten so über das offene Meer fahren.

Die Seeleute der Antike standen bei einer Reise auf offener See vor einer wichtigen Frage: Wie können wir unsere Richtung finden?

Um dieses Problem zu lösen, suchten sie an erster Stelle nach Zeichen in der Natur, die ihnen den Weg weisen konnten, später dann entwickelten sie Geräte, die es ihnen ermöglichten konstant in eine Richtung zu fahren. Die Kompassrose war eines der ersten Ergebnisse dieser Bemühung.

Es ist bekannt, dass die Phönizier als erste die Kompassrose benutzten. Später wurde sie im alten Griechenland benutzt und von italienischen Seeleuten weiter entwickelt. Die Kompassrose beruht auf dem Prinzip, entsprechend der Windrichtung die Richtung zu finden und danach zu segeln.

Zur Zeit Homers, 900 v. Chr., haben die griechischen Seeleute zur Navigation die Winde benutzt, die aus den vier Himmelrichtungen kamen. Diese Winde waren: Boreas (Norden), Euros (Osten), Notos (Süden) und Zephuros (Westen). Mit länger werdenden Seereisen vergrößerte sich die Anzahl der Winde auf acht. Diese Winde waren: Boreas (Norden), Kaikias (Nordosten), Apeliotes (Osten), Euros (Südosten), Notos (Süden), Lips (Südwesten), Zephuros (Westen), und Skiros (Nordwesten).

Es gab verschiedene Techniken um bei Dunkelheit die Windrichtung zu bestimmen. Die Beobachtung des Verlaufs der Sonne am Tag war eine wichtige Methode um die Richtung, aus der der Wind kommt, zu bestimmen. Aber dieses Verfahren der Richtungsbestimmung war nicht sicherer als die Ergebnisse der Beobachtung beim Folgen des Polarsterns. Vor allem nachts konnten die Seeleute mit Hilfe des Polarsterns ganz genau die Windrichtung und somit die zu verfolgende Richtung bestimmen. Außerdem konnten die Seeleute auch aus der Windtemperatur und der Luftfeuchtigkeit die Windrichtung feststellen. Dies war vor der Erfindung des magnetischen Kompasses eine der sichersten Methoden.

Das acht-Winde-System der Griechen wurde durch die Italiener weiter entwickelt. Die Italiener benannten diese Winde folgendermaßen: Tramontana (Norden), Greco (Nordosten), Levante (Osten), Sirocco (Südosten), Mezzodi (Süden), Garbino, später Africus oder Affricone (Südwesten), Ponente (Westen), und Maestro (Nordwesten).

Dieses System wurde später auf 12, 16 und 32 Windrichtungen erweitert. Jedoch mit der Erfindung des magnetischen Kompasses im 13. Jahrhundert verlor dieses System an Wichtigkeit.

Nocturnal
In früherer Zeit benutzten die Seeleute in der Nacht den Polarstern und Sternbilder wie den Großen Bären und den Kleinen Bären um die Zeit zu bestimmen.

Die einfachste Ausführung von Nocturnal sind zwei Holz- oder Messingscheiben, die aufeinander montiert sind. Die Oberfläche der großen Scheibe ist in 12 gleiche Teile eingeteilt, die die Monate angeben. Die kleine Scheibe ist in 24 gleiche Teile unterteilt, die die Stunden anzeigen.

An der Seite der großen Scheibe war ein Griff um sie festzuhalten, auf der kleinen Scheibe befand sich von der Mitte ausgehend ein Zeiger.

Um mit dem Nocturnal die Zeit bestimmen zu können, musste die Zacke, die auf der kleinen Scheibe 12 Uhr anzeigt, auf das Zeichen der großen Scheibe, das den Tag einzeigt, ausgerichtet werden. Danach hielt der Beobachter das Gerät auf Armeslänge von sich und beobachtete den Polarstern durch das Loch in der Mitte der Scheiben. Der Zeiger wurden nach bestimmten Punkten des Großen und Kleinen Bären ausgerichtet. So konnte der Beobachter die Uhrzeit auf der kleinen Scheibe ablesen.